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HUSTLER-Magazin

Die Ärzte
INTERVIEW Mella Poetter und Elona Chatzinotas



HUSTLER: Bela, ich habe gehört, du wolltest dich auch schon mal als Model beim Hustler bewerben?

BELA: Ja, es gibt ein Foto, das ich eigentlich für den Hustler gemacht habe. Das ist ein Foto von mir mit drei jungen Damen und einem HUSTLER-Magazin, das ich nach Amerika schicken wollte. Und zwar für die Rubrik , "HUSTLER Readers", die es leider nicht mehr gibt. Leider waren die drei Mädchen, die ich engagiert habe, Models, die gleichzeitig auch Fotos für meine Sponsoren machen sollten. Tja, und die Mädels hatten dann Probleme.

HUSTLER: Was für Probleme?

BELA: Naja, die eine hat noch gesagt, sie würde den BH runternehmen, und die anderen hatten sowieso die Haare drüber. Sie waren so sado-maso mäßig zurechtgemacht. Das Ganze sah dann zwar wunderschön aus, war mir aber nicht heftig genug.

Hustler: Also ist aus der Sache dann doch nichts geworden?

BELA: Ja, es waren einfach die falschen Models. Unser Freund Kalle Schwensen hat uns dann im nachhinein gesagt, das wäre überhaupt kein Problem. Zum halben Preis würde er mir die richtigen Frauen bringen. Jetzt wollen wir die Fotosession noch mal machen..

HURTLER: Aber du scheinst weniger schüchtern zu sein. Farin und du, ihr seid ja beide nackt auf der Eintrittskarte zu sehen?

BELA: Das war eigentlich eine ganz normale Fotosession. Und zwar schon 1995. Das sieht man daran, daß ich damals auf dem Bauch noch untätowiert war, was heute nicht mehr der Fall ist. Wir haben für Planet Punk Fotos gemacht, am Schluß waren noch zehn Bilder in der Kamera. Der Fotograf hatte dann diese Idee.

HUSTLER: Dann ist das also ganz spontan passiert?

BELA: Ja, das war eine spontane Idee, uns ausziehen. Jeder hat dann für sich entschieden, ob er es machen will. Farm hat überraschenderweise ja gesagt, Rodrigo wollte es auf keinen Fall, weil er das doof fand, und von mir weiß man ja, daß ich nicht so eine große Hemmschwelle habe. Wir hatten dann alle zusammen die ldee, daß sich Rodrigo Las Vegas mäßig anzieht und im Vordergrund steht

HUSTLER: Was sollte dann damit geschehen?

BELA: Ursprünglich wollten wir mit dem Foto eine mega Plakataktion machen. Aber da hat die Plattenfirma gekniffen. Die meinten, daß die Plakate nach einem ~g sowieso wieder abgehängt würden, und dafür wäre die Aktion zu teuer. Also lagen die Fotos in der Schublade. Für die Konzertkarte haben wir sie dann wieder rausgeholt. Leider wurden die Karten von einigen Veranstaltern übermalt: Freiwillige Selbstkontrolle, ihr kennt das ja. Auf der I.oreley hat der Veranstalter mir ins Gesicht gesagt, daß er selbst bei 1000 Karten die expliziten Stellen mit Filzstift übermalt hat. Das fand ich völlig daneben. Als eine Zeitschrift dann wegen dem Cover angefragt hat, haben wir gesagt, okay, wir veröffentlichen jetzt das Foto.

HUSTLER: Wie waren die Reaktionen?

BELA: Das war echt der Hammer! Sogar in New York hingen diese Hefte, allerdings mit einem Zensor-Aufkleber. Soviel dazu.
Aber nochmal zum Huster: Ich bin begeisterter Leser seit J986, und ich kann mich noch genau an das erste Hustler-Honey erinnern, das ich gesehen habe. Hcidi. Die war schon sehr scharf. Die hat mich auch lange begleitet. Aber vor ein paar Jahren habe ich sie leider verloren. Hustler ist natürlich auch ein Synonym für Rock'n'Roll. Schmutzig, böse und gegen jede Konvention. Es gibt da echt schöne Anekdoten, den Hustler betreffend!

HUSTLER: Zum Beispiel?

BELA: Wenn wir früher, als wir noch nicht soviel Geld hatten, auf Tour waren, haben wir uns immer die Zimmer geteilt. Ich hatte damals ein Zimmer mit unserem einzigen Roadie, und da gab es gerade diesen HUSTLER mit Sheena, die war extrem behaart. Die hatte so einen Haarstreifen über den ganzen Bauch und auch die Beine waren superbehaart. Auf jeden Fall hat dieser Roadie dann gemeint, ich soll ihn mal alleine lassen, er würde sich gerne einen runterholen. Ich habe ihn also allein gelassen, habe fünf Minuten gewartet, bin dann ins Zimmer gestürzt und habe ihm diese Sheena hingeworfen, worauf er dann vor lauter Ekel nicht mehr konnte.

HUSTLER: Ja, Sheena fiel wirklich aus der Reihe! Auf einer eurer Platten dankt ihr ja auch in den Credits dem HUSTLER und der Porno-Branche.

BELA: Ja, das war schon auf der dritten Platte. Bei der Produktion haben wir zum ersten Mal ganz viele Pornos gekauft und damit das ganze Studio tapeziert. Das war sehr lustig, vor allem, wenn Frauen zu Besuch kamen. Einmal kam zum Beispiel die Frau des Studiobesitzers rein, und am Anfang hat sie noch gegrinst, weil sie auf der einen Seite ein Foto von einer Frau aus einem Russ Meyer Film sah. Das hat sie noch ganz locker weggesteckt und dann drehte sie sich um und wurde blass, als sie den Rest sah.

HUSTLER: Macht ihr so etwas noch immer?

BELA: Immer noch, aber wir sind auch etwas erwachsener geworden. Wir wurden jetzt nicht mehr das Studio mit Pornobildern vollkleben. Es hängen natürlich immer noch Bilder in unseren Studios, aber die sehen inzwischen anders aus.

HUSTLER: Was für Bilder habt ihr denn heute in euren Studios?

BELA: Was hängt da Rod?
ROD: Arabella Kiesbauer.
BELA: Genau! Arabella aus dem Playboy. Das ist ganz furchtbar.
ROD: Abturnend!
BELA: Das hatte dieselbe Wirkung auf die ganze Studioarbeit, wie damals Sheena auf unseren Roadie. Aber um das Schlagzeug herum hingen ein paar HUSTI.ER-Bilder und ein großes Poster von Diana Rigg als Emma Peel.

HUSTLER: Also hat sich bei den Ärzten nicht alles geändert. Aber einige Sachen sind doch jetzt bestimmt anders, oder?

BELA: Ja, und zwar ziemlich genau seit der Single ,,Männer sind Schweine". Klar ist es anders als in den 8oern. Wir sind jetzt alle über 30, Rod ist gerade 30, und wir sehen Sachen natürlich anders, weniger romantisch. Trotzdem haben wir immer noch einen Heidenspaß. Zum Beispiel die KISS-Tour, die für Rod und mich das Größte war! Aber auch solche Highlights sehen wir heute distanzierter, weil wir selbst die Erfahrung haben, wie es ist, wenn man 100.000 Leute zum Kochen bringt. In gewisser Weise kann man sagen, daß uns ein stückweit die Unschuld geraubt wurde. Da die Ärzte aber verdammt viel Unschuld in sich haben ist auch noch davon genug da! Wir sind erfolgreicher und dementsprechend ist unsere Verantwortung auch gewachsen.

HUSTLER: Sind eure Fans auch mitgewachsen? Als ich zum ersten Mal ,,Die Ärzte" gehört habe, war ich ungefähr zwölf und hatte den Eindruck, daß die meisten eurer Fans damals auch ziemlich jung waren?

BELA: Ganz so stimmt das nicht. Am Anfang haben wir ja hauptsächlich vor Punk-Publikum gespielt, bis die gemerkt haben, daß wir sie total verarschen. Dann kamen die Studenten, bis die gemerkt haben, daß wir sie genauso verarschen. Wir haben uns nie festlegen lassen, sondern immer unser eigenes Ding gemacht. Mit der Zeit hat das dann auch das Publikum gefressen. Und ganz ehrlich, wenn ich mir anschaue, was andere Bands so zum Teil für Publikum haben, bin ich sehr froh über die Leute, die zu uns kommen!

HUSTLER: Wie war das nach eurer fünfjährigen Pause? Hast du das Gefühl, daß noch viele eurer alten Fans dabei sind, oder hat sich das Publikum verändert?

BELA: Teils, teils. Viele unserer heutigen Fans waren früher einfach noch zu jung. Natürlich hat sich das Publikum verändert, wir haben uns ja auch verändert. Aber nach wie vor sind wir die beste Band der Welt!

HUSTLER: Gibt es auch eine zweitbeste?

BELA: Es gibt sehr viele zweitbeste Bands. Mehr muß man dazu nicht sagen. Eros Ramazotti ist auch eine zweitbeste Band.

HUSTLER: Habt ihr eigentlich auch eine richtige Hass-Band?

ROD: Ich kann von mir sagen, es gibt Bands, die ich wirklich hasse!
BELA: Es gibt auch Bands' die ich echt verachte. Aber Ärzte-spezifisch, also global gesehen, gibt es nur eine Band, an der wir uns reiben. Ist ja ganz klar, jede Band hat ihren Counterpart. das waren bei den Beatles die Stones und umgekehrt, und in diesem Fall sind wir die Beatles und die Toten Hosen die Stones. Das ist die Band, an der wir uns reiben. Die meinen, wir machen es falsch, und wir meinen, sie machen es falsch. Beide verkaufen gleich viele Platten. Die eine Band behauptet immer, sie würde mehr Platten verkaufen, die andere behauptet, die beste Band der Welt zu sein. Ich glaube, das wird nie enden. Aber das ist vielleicht auch relativ gesund.

HUSTLER: Wie ist das denn heute mit alten Liedern, die zensiert wurden, wie zum Beispiel ,,Geschwisterliebe"? Spielt ihr diese Sachen heute noch?

BELA: Manchmal. Aber das Ding ist, daß die Zeiten sich geändert haben. Heute hast du Themen wie Geschwisterliebe oder Claudia hat ,nen Schäferhund, die damals der Zensur zum Opfer gefallen sind, in jeder Talk Show.

HUSTLER: Bela, du und Rod, ihr habt ja vorher bei Depp Jones zusammen gespielt. Wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt?

BELA: Eigentlich über den Film ,,Spinal Tap", das ist sozusagen die Bibel von Rod und mir! Wenn Farm einen Videorekorder hätte, wäre es auch seine Bibel. Das begann in einer Kneipe an der Bar. Ich habe mit ihm geredet, er nicht mit mir. Dann liefen ein paar KISS Songs und Rod hat plötzlich angefangen zu singen. Ich wußte also, er hat Stimmbänder. Und dann sind wir total besoffen zu ihm gegangen und haben uns diesen Film angeguckt.

HUSTLER: Habt ihr eine Lieblingsszene?

BELA: Am besten finde ich die Szenen mit der Freundin des Sängers. Man muß dazu sagen, daß ich eine Freundin hatte, die genauso war. Das Schöne an diesem Film ist ja, daß er viel dichter an der Wirklichkeit dran ist, als man sich das vorstellen kann. Es gibt tatsächlich Backstage Räume, die sind so weit weg von der Bühne, daß man sich verläuft. Oder die Plattenfirma ändert einfach das Cover, ohne dich vorher zu fragen.

HUSTLER: Und wie war das jetzt mit deiner Freundin?

BELA: Das war 1985, da hatte ich eine Freundin, die meinte, sie sei jetzt die Chefin der Band, weil sie meine Freundin war. Das war eine Scheißzeit, auch für die anderen. Aber die Hexe ist jetzt auf den Scheiterhaufen. Die ist jetzt Domina und kriegt auch Geld dafür.
ROD: Auch der Local Promoter oder die Produktmanagerin aus dem Film, das sind alles Typen, die existieren. Die erkennt man sofort. Der Promoter hier, der eifrige Arschlecker und Stiefelputzer, der alles toll findet, aber nichts reißt. Die Autogrammstunde, zu der keiner kommt.

HUSTLER: Ihr seid ja inzwischen in einer Position, daß ihr den Leuten sagen könnt, wo es langgeht oder?

BELA: Ja. Inzwischen haben wir ja unsere eigene Plattenfirma, und das einzige Produkt, das wir verkaufen, sind die Ärzte. Und alle Leute, die für uns arbeiten, sind Freunde, die mit uns zusammenhalten und gemeinsam mit uns an dieser Band arbeiten. Wir haben heute genau diese Form von autark sein erreicht, die wir immer angestrebt haben.

HUSTLER: So, jetzt brauchen wir aber auch noch eine Böse Buben Geschichte!

BELA: Ach ja stimmt. Rod fängt an!
ROD: Nee, lieber nicht.
BELA: Also einmal, da habe ich Ben Becker in einer Kneipe gesehen. Da hat er mit so einer Frau rumgeknutscht. Als er aufs Klo ist, habe ich mich voll an die Frau rangemacht. Becker kam wieder und meinte, ich soll mich verpissen. Später hab ich ihn dann nach Hause verfolgt, und da hab ich dann erstmal meine Gasknarre gezogen und auf ihn geschossen. Es gab eine wilde Rangelei, und er ist weggerannt.
Rod: Er weiß bis heute nicht, wer es war.
BELA: (lacht) Böse Buben Geschichten gibt es einige. Es ist nur die Frage wie privat, bevor ich das jetzt ausplaudere...
Rod: ...wie du Iris Berben gefickt hast...
BELA: ...im Beisein von Inge Meysel! Oh halt, da fällt mir doch was ein, aber das ist eigentlich eine Losergeschichte und schon ein paar Jahre her. Ich war da eher Opfer.
Wir waren unterwegs und haben in einer Stadt gespielt, in der eine Exfreundin von mir gewohnt hat. Das Thema kennt man ja: Man trifft sich wieder und dann funkt es nochmal. Inzwischen hatte sie aber wieder einen Freund. Der war einen haben Kopf größer als ich, auf der Stirn tätowiert, Junkie, hat jeden Morgen einen Eimer Wodka gesoffen und sich nur geprügelt Einer von der Sorte von Schlägern, vor denen man am meisten Angst hat, nämlich jemand, der keinen Schmerz spürt. Dem ist es völlig egal, wenn man ihm mit einer Eisenstange über den Kopf haut, da geht der trotzdem weiter. Also das Gegenteil von mir. Wir haben da also gespielt, und ich habe sie getroffen. Wir haben Drogen genommen, das kam häufiger vor, saßen an der Bar und haben rumgeturtelt, als ihr Freund reinkam. Der hat mich aber eigentlich gar nicht beachtet und wollte nur von ihr den Schlüssel haben. Sie hat ihm den Schlüssel gegeben und er ist wieder weg. Die anderen sind dann zu mir gekommen und meinten, ich sollte das lieber sein lassen und mit ihnen ins Hotel kommen. Ich bin aber trotzdem mit ihr noch in einem Park spazieren gewesen. Hinter einem Baum hatten wir dann ,,GV", so spontan und auch ganz nett. Dann sind wir zu ihr. In der Wohnung wartete schon ihr Freund mit einem Kumpel und es gab ein tierisches Theater. Er hat ihr sofort eine runtergehauen, und eine Freundin von ihr hat währenddessen die Polizei geholt. Der Typ meinte zu mir, ich soll verschwinden, und da bekam ich aber auch schon einen Totschläger über den Kopf Zum Glück hatte ich einen Hut auf und hab das gar nicht so gemerkt. Ich bin also losgerannt, die Typen hinter mir her. Irgendwann bin ich in einen Hauseingang rein, und die haben mich verloren. Ich dann wieder raus, alles klar, immer noch voll auf Drogen und dachte, ich hätte es überstanden. Tja und auf der Suche nach einem Taxi, laufe ich voll den beiden Typen in die Arme. Der eine hat mir ins Auge getreten, so daß ich schon dachte, ich hätte es verloren. So wie ich aussah, wollte mich natürlich kein Taxi mehr mitnehmen, also mußte ich laufen. Ich habe dann tatsächlich mit meinem breiten Kopf noch das Hotel gefunden und habe mich in meinem Zimmer auf den Boden gelegt, da mein Bett von unserem Mixer belegt war. Der ist am nächsten Morgen aufgewacht und hat gedacht, er kriegt einen Herzinfarkt. Aber jetzt kommt die schlimmste Geschichte: Eine Woche später hatte ich ganz ätzende, stechende Schmerzen im Unterleib. Da hatte ich dann auch noch Tripper! Das war der schwärzeste Tag in meinem Leben.


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